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Fotografie im Sektionssaal
Ph. Feer
Institut für Rechtsmedizin
Universität Bern
Die Fotografie spielt im Sektionssaal eine wichtige
Rolle bei der Dokumentation und für die Ausbildung. Fotos werden
in Vorlesungen, Vorträgen, Weiterbildungen, Forschungsarbeiten,
Gerichtssäle, Dissertationen und in vielen anderen Bereichen verwendet.
Die Fotografie erlaubt eine Dokumentation von Verletzungen, temporären
Situationen (Originalsitutation oder ursprüngliche Situation) und
Tatorten, die mit Worten oder Zeichnungen nicht erreicht werden
kann. Es gibt nicht um sonst den die Weisheit "Bilder sagen mehr
als tausend Worte".
Material
- Kamera
- Objektive
- Blitz
- Film
Kamera
Für forensische Fotografie ist eine Spiegelreflexkamera zu verwenden.
Die Bildqualität ist meist besser, und eine Spiegelreflexkamera
bietet den Vorteil, dass verschiedene Objektive und Blitzsysteme
verwendet werden können. Die Auswahl an Zubehör ist weit grösser
als bei Kompaktkameras. Dies ist für wissenschaftliche Fotografie
unerlässlich. Kompaktkameras können als "quick and dirty" eingesetzt
werden.
Generell kann eine einfache Kamera ohne jegliche Automatik verwendet
werden. Es empfiehlt sich jedoch eine modernere Kamera mit Automatik
anzuschaffen, da dies für nicht erfahrene Anwender bedienerfreundlicher
ist.
Achten Sie bei einem Neukauf besonders darauf dass:
- TTL (through the lens) Blitzmessung vorhanden ist.
- Alle Automatik abschaltbar sind.
- Die Kamera ein stabiles Gehäuse hat.
- ISO (Filmempfindlichkeit) manuell einstellbar ist.
- Der Film vorzeitig zurückgespult werden kann.
- Der Sucher für Brillenträger geeignet ist.
- Keine Spezialbatterien nötig sind.
Objektive
Am meisten sind zwei Typen von Objektiven in der forensischen
Fotografie verbreitet.
Makro Objektive 50 mm / 105 mm
Das Makro Objektiv wird für Detailaufnahmen (z.B. Einschuss
/ Ausschuss) und in der Reprofotografie verwendet. Es kann ein Aufnahme
Verhältnis von 1:2 , mit einem Zwischenring sogar 1:1 erzielt werden.
Der Unterschied zwischen einem Makro Objektiv mit einer Brennweite
105 mm oder 50 mm liegt alleine in der Aufnahmedistanz. Der Abbildungsmassstab
bleibt derselbe. Es gibt aber auch spezielle Makro Objektive wie
zum Beispiel das Medical Nikkor 120 mm welches einen Abbildungsmassstab
von 2:1 ermöglicht.
Zoom Objektive
Ein Zoom Objektiv von ca. 24/ 28/ mm Brennweite bis zu ca. 70
/ 105 mm erlaubt Übersichts - und Orientierungsbilder.
Blitz
Es stehen mehrere Blitzsysteme zur Wahl
- Stabblitz (Blitz mit hoher Leitzahl / Leistung, seitlich der
Kamera befestigt und kann auch entfesselt eingesetzt werden).
- Systemblitz (Blitz aufgesetzt auf dem Blitzschuh, kann auch
entfesselt werden).
- Ringblitz (Blitz direkt auf dem Objektiv in Form eines Ringes;
wird in der Makrofotografie verwendet).
- Integrierter Blitz (Blitz eingebaut in der Kamera)
- Studioblitzgeräte (grosse Anlagen mit Transformatoren, Schirmen
etc.).
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Am besten geeignet sind Stabblitze
die auch entfesselt werden können. Diese können für die Übersichtsbilder
wie auch für die Makrofotografie eingesetzt werden. Letzteres
ist jedoch nicht einfach. Man muss den Blitz entfesselt in der
einen und die Kamera in der anderen Hand halten. Der Einsatz
eines leistungsfähigen Systemblitzes in der Makrofotografie
hat den Vorteil, dass auch bei kleinen Blenden relativ problemlos
fotografiert werden kann. Wie Sie später sehen werden ist die
Möglichkeit, den Blitz zu entfesseln, sehr wichtig. |

Der Systemblitz kann ähnlich wie der Stabblitz verwendet werden,
hat aber weniger Leistung.
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Der Ringblitz ist der klassische
Blitz für Makroaufnahmen. Er bietet eine gleichmässige Ausleuchtung
und ist einfach zu handhaben. Seine Leistung ist jedoch begrenzt
und die Bilder können "flach" wirken |

Der integrierte Blitz kann nur beschränkt eingesetzt werden. Seine
Leitzahl ist sehr nieder und er kann nicht für Nahaufnahmen verwendet
werden.

Mit Studioblitzgeräten können natürlich die besten Resultate erzielt
werden. Aber sie sind meist gross, teuer und haben im Obduktionssaal
kein Platz.
Eine Leistungssteigerung des Blitzes kann mit einem "Akku Pack"
erreicht werden, man benötigt aber ein zusätzliches Kästchen, das
beim Fotografieren hinderlich sein kann.
Film
- ISO
- Diapositive / Negative
- Farbfilm / Schwarzweissfilm
- Tageslicht / Kunstlicht
- Filmtyp
ISO
Die ISO - Angabe eines Filmes gibt die Lichtempfindlichkeit und
zugleich die Körnung an. Je höher die Zahl desto lichtemplindlicher
und körniger ist der Film. Das heisst, dass ein Film mit ISO 100
eine höhere Auflösung hat, aber mehr Licht als ein Film mit ISO
400 braucht.
Die gebräuchlichsten ISO Filme sind 100, 200, 400. ISO 800 und
1600 Filme werden dort eingesetzt, wo wenig Licht vorhanden ist
und nicht geblitzt werden kann.
Es werden aber auch viele Zwischenwerte angeboten: 25, 50, 64,
125, 180, 320 ..... Meistens wird ein ISO 100 oder 200 Film verwendet,
da die Auflösung / Qualität gut ist und das Licht im Obduktionssaal
mit dem Blitz genügend für diese Empfindlichkeit ist.
Diapositive / Negative
Die Wahl Dia oder Negativ Film zu benutzen hängt davon ab wie
die Bilder später eingesetzt werden
Diapositive
- haben die bessere Qualität als Negativ Filme
- sind einfacher zu archivieren
- erlauben schnelleres Auffinden gewünschter Bilder
- können einem grossen Publikum gezeigt werden (Vorlesungen, Vorträge
etc.)
- können jedoch nicht einfach in Dokumenten eingefügt werden
- brauchen Geräte zum Zeigen der Bilder (Projektor, Strom und
Leinwand)
Von Dias können problemlos Bildabzüge hergestellt werden, wie
auch umgekehrt von Negativen Diapositive hergestellt werden können.
Farbfilm / Schwarzweissfilm
Schwarzweissfilme werden nur verwendet, wenn die Bilder für Publikationen
sind, also in Druck gehen. Ansonsten ist die Wahl für Farbfilme
klar.
Tageslicht / Kunstlicht
Kunstlicht Filme (Tungsten) sind auf eine "warme" Farbtemperatur
eingestellt (3200 k). Diese finden Verwendung in der Mikroskopie
und Fotografie mit Fotolampen. Für alles Andere sind Tageslichtfilme
zu verwenden
Filmtyp
Es werden viele verschiedene Film Typen und Film Marken auf dem
Markt angeboten. Die Filme sind verschieden "temperiert", geben
also Farben verschieden intensiv wieder. Ein sehr populärer Film
ist z.B. der Kodak Gold, der die warmen Farben wie zum Beispiel
rot ein bisschen verstärkt, was ihm diese Beliebtheit beim Verbraucher
gebracht hat. Andere sind darauf eingestellt, möglichst neutral
zu erscheinen, wie z.B. der Kodak EPP 100. Manche Filme behaupten,
besonders geeignet für Hauttöne zu sein. Die Filmwahl ist also auch
ein Stück weit Geschmacksache. Wir verwenden bevorzugt neutralere
Filme die das Rot (Blut) nicht noch röter erscheinen lassen.
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